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Gespräch mit einer Obdachlosen

  Da ich im Moment nach viel Ablenkung suche, um über die Gefühle für meinen Ex "K" hinwegzukommen, habe ich mich darauf eingelassen, meine Cousine nach Köln zu einem Casting für die neue Kampagne von American Apparell zu begleiten. Wir beide sind keine wirklichen Models. Zu klein und nicht außergewöhnlich schön. Aber man sollte nichts im Leben unversucht lassen und alles mindestens einmal mitgemacht haben, wenn sich Gelegenheit bietet. 

Also trafen wir uns heute am Hbf am Dom und machten uns auf den Weg. Als wir dort ankamen, trafen wir auch bald schon auf die anderen Kandidaten und fühlten uns sofort minderwertig. Da merkten wir das volle Ausmaß unseres Daseins als Nicht-Models xD Wir kamen uns sofort viel kleiner und unhübscher vor! Also wirklich! So viele wunderschöne Menschen (Jungs und Mädchen) auf einem Fleck hab ich noch nie gesehen gehabt! Nicht hübsch, nicht gut aussehend. Nein: Schön. Wunderschöne Menschen... Wie im Film xD Wir meldeten uns trotzdem an, gaben unsere Daten ab, bekamen einen Smoothie geschenkt (der mega lecker war) und stellten uns an, um fotografiert zu werden. Vor uns standen zwei Mädchen, beide jünger als wir, die selber so etwas noch nie gemacht hatten und wir kamen ins Gespräch. Sofort fühlten wir uns nicht mehr ganz so fehl am Platz. Eins der Mädchen war allerdings tatsächlich sehr hübsch. Sie hatte noch etwas pures, natürliches an sich. Etwas frisches und nicht so gestelltes wie all die anderen Profi-Models mit ihren Agentur-Mappen. Und tatsächlich wurde sie nach dem Shoot gebeten, sich Kleidung zu suchen für ein weiteres Shooting! Ich hoffe, sie wird das Gesicht der Kampagne, das wäre doch echt cool für sie! Vor allem, weil sie spontan im Laden zum Casting eingeladen worden war als sie mit ihrer Freundin shoppen war. 

Dass ich genommen werde, kann ich auch sofort ausschließen xD Aber deswegen hab ich das ja garnicht gemacht. Sondern einfach aus Spaß an neuen Erfahrungen. 

Als wir dann fertig waren und uns auf den Weg zurück machten, trafen wir vor dem Hauptbahnhof auf eine Obdachlose, die dort vorm Eingang schnorrte (wie sie es selbst nannte). Sie sprach uns beim Vorbeigehen direkt an und bat um etwas Geld, damit sie heute Nacht ein Dach überm Kopf haben könne. Meine Cousine und ich gaben ihr ein paar Euro. Irgendwie kam sie mir so ehrlich rüber. Und wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte von ihrem Leben auf der Straße. Davon, dass sie auf Entzug ist, dass sie es hasst, zu schnorren aber anders nicht an Geld kommt. Dass sie versucht, irgendwie wieder Fuß zu fassen. Von ihrem Freund und auch von ihren Freunden, die ebenfalls obdachlos sind. Sie erzählte, dass sie vor drei Jahren angefangen hat, zu merken, dass es nicht so weitergehen kann. Und sie bemüht sich um Praktika, um irgendwie einen Einstieg ins Berufsleben zu bekommen. Wir saßen etwas länger zu dritt auf dem Boden und hörten ihr einfach zu... Sie setzt sich für die Tauben ein. Also hilft bei der Regulation der Bestände von wilden Tauben. Sie engagiert sich ehrenamtlich für diese Tiere und hat selber kaum etwas. Erzählte, dass sie einmal kurz davor stand, ihren eigenen Körper zu verkaufen, sich zu prostituieren.... für Drogen. Aber sie es nicht tut, weil sie weiß, wie gefährlich das ist.

Sie erschien mir wie ein wirklich herzensguter Mensch... Ein Mensch, der einfach irgendwann von der Bahn abgekommen ist... Und zurück auf die richtige Bahn zu finden, ist ein harter mühsamer Weg. Nicht alle sind selber schuld...

Mir wurde hautnah bewusst, dass diese junge hübsche Frau, die einfach in ihrer Jugend Mist gebaut hat, tagtäglich eine ganz andere Welt erlebt als ich es tu. Sie kämpft jeden Tag. Sie sieht die Welt mit anderen Augen. Sie bemerkt die Kälte dieser Welt, wie ignorant manche Menschen sind... So viele gehen nur vorbei... So viele tun nichts. Es ist klar, dass man in so einer Situation manches von dem Geld für Drogen ausgibt. Denn für Essen ist in Deutschland gesorgt. Die Frau, deren Namen ich leider nicht weiß, war ehrlich. Sie gestand, dass sie angetrunken war. Und, dass sie versucht, von Medikamenten runter zu kommen... Dass sie das Geld, das sie erschnorrt für Drogen, Alkohol oder Zigaretten ausgibt, ist unvermeidbar. Denn einfach so kann niemand mit all dem aufhören wenn man nicht viel mehr hat als das... Aber lieber bekommt sie ihr Geld erschnorrt, als dass sie noch tiefer sinkt und sich am Ende vermietet... Es ist nicht einfach dort zu sitzen und betteln zu müssen.

Aber in dieser kurzen Zeit konnte ich auch sehen, wie manche untereinander zusammenhalten. Sie teilen das, was sie haben. Geben sich Trinken, teilen Zigaretten, beschützen sich gegenseitig, wenn mal wieder jemand blöd angemacht wird. Und setzen sich füreinander ein. Machen Pläne. Ein obdachloser Herr, ein Freund der Frau, kam zu Ende des Gesprächs dazu und erzählte uns von seiner Idee, ein Projekt zu starten, dass Leute mal eine Woche lang das Leben als Obdachloser miterleben. Ich finde diese Idee garnicht schlecht. Sie würde wahrscheinlich einigen die Augen öffnen. Mir wurden die Augen vielleicht schon nur durch dieses eine Gespräch geöffnet.

Schaut einfach mal genauer hin, fragt nach, redet mit den Menschen bevor ihr urteilt, euch abwendet und sie behandelt als seien sie nicht da... Es gibt überall gute und schlechte Menschen, überall gibt es Nette und Arschlöcher. Vorsichtig muss man immer sein, um nicht an die Falschen zu geraten. Aber es kann auch vorkommen, dass du den Netten auf der Straße sitzend triffst, während das Arschloch irgendwo in einem Büro in einem feinen Anzug über tausend Angestellte herrscht.

Ich wünsche ihr, dass sie ihren guten Weg wieder findet... Und ich werde in Zukunft mal hin und wieder genauer hinsehen, nachfragen und versuchen zu helfen.

24.9.15 21:03

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